Spielzeit 10/11

1. September bis 27. September 2010

Schönbeck ist "Der Herr Karl"
Von Helmut Qualtinger
Mit einem Prolog von Stefan Suske

Inszenierung: Stefan Suske

  Herr Karl: Bis 34 war ich Sozialist, war auch kein Beruf.

Herr Karl ist Angestellter in einem Feinkostgeschäft. Auf den ersten Blick lässt sich Herr Karl als typischer Wiener charakterisieren: Katholisch, freiheitsliebend und ewiger "Raunzer". Seine Gedanken und Nörgeleien über "Gott und die Welt" verbreitet er ungeniert und ohne sich seiner eigenen Peinlichkeit bewusst zu sein. Doch nach und nach entpuppt sich hinter seiner scheinbar harmlosen Fassade ein schmieriger Wendehals und Mitläufer, der sich wie ein Fähnlein im Winde den jeweils herrschenden politischen Verhältnissen anpasst. Als Kirche und Staat 1934 faschistische Gedanken verbreiten, wird Herr Karl, der bis dato Sozialist gewesen ist, zu einem Anhänger der Christlichsozialen. Nach dem Einmarsch der Nazis 1938 wechselt er sofort ins rechte politische Lager, nach 1945 bemüht er sich den Besatzungsmächten dienlich zu sein. Herr Karl nützt jedoch nicht nur die Anpassung seiner politischen Meinung, um Vorteile zu erlangen. Sein Egoismus zieht sich durch sein gesamtes Leben. Er selbst sieht sich natürlich als "Mann von Welt", dabei ist er nur ein skrupelloser Profiteur, ein Drückeberger und Anpasser - ein "repräsentativer Kleinbürger" eben.


7. Oktober bis 10. November 2010

Der Besuch der alten Dame
Von Friedrich Dürrenmatt
Fassung für das Atelier Theater von 1959

Inszenierung: Stefan Meier

  Claire Zachanassian: Du hast dein Leben gewählt und mich in das meine gezwungen.
Du wolltest, dass die Zeit aufgehoben würde,
eben im Wald unserer Jugend, voll von Vergänglichkeit.
Nun habe ich sie aufgehoben und nun will ich Gerechtigkeit,
Gerechtigkeit für eine Milliarde.


Nachdem Claire Zachanassian reich geworden ist, kommt die Milliardärin nach 45 Jahren erstmals wieder in ihre Geburtsstadt Güllen, in der sie ihre Jugendzeit als „Kläri Wäscher“ verbracht hat. Während die Einwohner auf finanzielle Zuwendungen hoffen, sucht Claire Rache für ein altes Unrecht. Als sie in ihrer Jugend von dem Güllener Alfred Ill ein Kind erwartete, bestritt dieser die Vaterschaft und gewann mit Hilfe bestochener Zeugen den von Klara gegen ihn angestrengten Prozess. Klara Wäscher musste ihre Heimat arm, wehrlos und entehrt verlassen, gelangte jedoch danach durch Heirat mit einem Ölquellenbesitzer, der noch zahlreiche weitere Ehen folgten, zu riesigem Vermögen. Beim offiziellen Empfang durch den Bürgermeister unterbreitet die nun hochangesehene „alte Dame“ den Güllener Bürgern ein unmoralisches Angebot: Sie verspricht der Gemeinde eine Milliarde – unter einer Bedingung - dass Alfred Ill, der sie damals mit ihrem Kind hatte sitzen lassen, zur Rechenschaft gezogen und umgebracht wird.


20. November bis 13. Dezember 2010

Vermisst (My Boy Jack)
Von David Haig

Inszenierung: Markus Keller

Deutschsprachige Erstaufführung

  Kipling: Auf was für eine Mission habe ich ihn geschickt?
Das ist die einzige Frage.


1915. Der Erste Weltkrieg hat gerade begonnen. Der grosse britische Schriftsteller Rudyard Kipling will unbedingt, dass sein Sohn John, der von der ganzen Familie nur „Jack“ gerufen wird, seinen Teil im Kampf gegen die Deutschen beiträgt. Auch öffentlich unterstützt Kipling den Krieg voller Entschlossenheit und ermutigt alle jungen Männer, dem Militär beizutreten. Doch ausgerechnet John wird trotz sehr guter körperlicher Tauglichkeit nicht zur Armee zugelassen. Seine starke Kurzsichtigkeit führt zum Ausschluss bei der Untersuchung durch den Militärarzt. Kipling will sich mit dieser Situation, die für ihn einer persönlichen Niederlage gleichkommt, nicht zufrieden geben. Unablässig ermutigt er seinen Sohn, nicht aufzugeben und lässt seinen ganzen Einfluss in den höheren Militärkreisen spielen. Mit Erfolg, denn schlussendlich wird John doch in die Armee aufgenommen. Während Vater und Sohn voller Stolz dem Einrücktermin entgegenfiebern, stehen Johns Mutter und seine Schwester dem Fronteinsatz mit Skepsis und Unbehagen gegenüber. Zur Freude des Vaters schafft es der Junge schnell, einen höheren Posten zu bekleiden und wird, obwohl noch nicht einmal volljährig, an die Front nach Frankreich geschickt. Drei Wochen später, kurz nach Johns 18. Geburtstag, bekommt die Familie eine schreckliche Nachricht.


21. Dezember 2010 bis 17. Januar 2011

Kleine Fische
Von Simone Füredi

Nach dem Film "Max et les Ferrailleurs" von Claude Sautet

Inszenierung: Oliver Stein

Uraufführung

 Lily: Du musst aber ganz schön Kies haben.
300 Mäuse bloss für’s Rumsitzen und Quatschen.
Max: Stört es Dich?

Der ehemalige Untersuchungsrichter Max ist als Kommissar zur Pariser Polizei zurückgekehrt, weil er einen Verdächtigen aus Mangel an Beweisen freisprechen musste. Doch auch bei der Polizei hat Max kein Glück: kaltblütige Berufsverbrecher begehen zum vierten Mal im selben Monat einen Banküberfall und haben seinen Informanten und einen Kassierer ermordet. Von diesem Tag an hat Max es sich zur Aufgabe gemacht, Kriminelle möglichst auf frischer Tat zu ertappen. Max ist ein Einzelgänger und Idealist, ein Intellektueller, der seinen Job aus Überzeugung macht. Eines Tages trifft er Abel wieder, einen Kameraden aus seiner Zeit bei der Armee. Abel macht aus seinem unseriösen Lebenswandel keinen Hehl: Er gehört einer Bande von Kleinganoven an, die gestohlenen Schrott und alte Autos zu Geld machen. Allerdings geht die Kosten-Nutzenrechnung selten auf: Mit dem hart ergaunerten Geld können sich die kleinen Fische gerade so über Wasser halten. Abels Freundin ist die attraktive Lily, die als Gelegenheitsprostituierte arbeitet. Abel akzeptiert Lilys „Job“, will aber keinen Cent von ihr. Um Abel und die Schrottdiebe zur Strecke zu bringen, ködert Max Lily. Hin – und hergerissen zwischen den eigenen Anforderungen und seinen Gefühlen für die Frau aus dem Rotlichtmilieu, begibt er sich auf eine heikle Mission...


25. Januar 2011 bis 22. Februar 2011

Zimmer frei
Von Markus Köbeli

Inszenierung: Karo Guthke

  Glotz: Das kann doch nicht alles sein, Opa?
Opa: Was?
Glotz: Das dort. Deine bunte Wundertüte von der Welt da draussen.


Jolanda Sollberger alias „Glotz“ ist gerade in einer morbiden Phase und meditiert die meiste Zeit des Tages in einem Sarg in ihrer Wohnung. Rausgeflogen aus allen Jobs hat sie mit der Welt abgeschlossen, versucht sich mit Telefonsex über Wasser zu halten und wartet auf ein Zeichen von Gott. Trotzdem reicht das Geld aber weder zum Leben noch zum Sterben, weshalb Glotz eine Annonce aufgegeben hat, um einen solventen Untermieter zu finden. Auf den freien Platz in ihrer Bude meldet sich ausgerechnet der in der Warteschleife zwischen seinen Erinnerungen und Träumen und einer Platzanmeldung im Altenheim hängen gebliebene Opa Müller, ein gewissenhafter pensionierter Steuerbeamter. Die Not zwingt beide zusammen. Glotz braucht Geld und Opa Müller eine Unterkunft. Bald prallen Gegensätze aufeinander, und anfangs scheint keine Verständigung zwischen den beiden möglich zu sein. Missverständnisse und Chaos wechseln sich bei den zwei Aussenseitern der Gesellschaft ab, und Glotz ist sowieso restlos genervt von Opa Müllers pedantischer Art. Kann aus Opas Selbstironie und Glotz’ Borstigkeit doch noch Sympathie zwischen Jung und Alt erwachsen?


2. März 2011 bis 28. März 2011

Romeo und Julia auf dem Dorfe
Von Gottfried Keller

Bühnenfassung Markus Keller

Inszenierung: Markus Keller

Uraufführung

  Vreneli: Weisst Du noch, wie oft wir als Kinder hierher gekommen sind?
Denkst Du noch des kleinen Wagens?
Wie kleine Leute sind wir damals gewesen
und wie lang ist es her!


Die zwei Bauern Marti und Manz haben ihre Äcker fast nebeneinander. Nur eine Ackerfläche, von der man nicht weiss wem sie gehört, trennt ihre Gründe. Ihre Kinder Sali und Vreneli verstehen sich prächtig. Da ihre Väter bei jeder Ernte klammheimlich ein pflugbreites Stück vom mittleren Feld abzweigen, verkleinert sich dieses Jahr um Jahr. Weil sich kein rechtmässiger Eigentümer für den brachliegenden Acker finden lässt, entscheidet die Gemeinde eines Tages, den „Mittelacker“ zu versteigern, wobei es eigentlich nur zwei Interessenten gibt, Manz und Marti. Nach einem harten Kampf erhält Manz den Zuschlag. Da sich Marti aber kurz vor der Versteigerung noch einmal ein grosses Stück des Ackers unrechtmässig „angeeignet“ hat, fordert Manz ihn nun zur Rückgabe der Parzelle auf. – Marti denkt nicht daran. Ein Streit entbrennt, der zur Folge hat, das sich die ehemals befreundeten Nachbarn nur noch aus dem Weg gehen. Auch Sali und Vreneli – inzwischen herangewachsen - dürfen sich nicht mehr sehen. Die Habsucht und Gier ihrer Eltern vergiftet mehr und mehr das ehemals so friedliche Leben der Jugendlichen. Ihre zärtliche Zuneigung zueinander müssen sie vor den verfeindeten Eltern geheim halten. Als die beiden für Ihre Liebe keine Zukunft mehr sehen, treffen sie eine folgenschwere Entscheidung...


5. April 2011 bis 29. April 2011

Zweifel
Von John Patrick Shanley

Inszenierung: Stefan Meier

Schweizer Erstaufführung

  Schwester Aloysius: Was haben Sie gesehen?
Schwester James: Er hat Donald Miller in sein Büro gerufen...
Schwester Aloysius: Allein?
Schwester James: Ja.

Eine katholische Schule in der New Yorker Bronx, 1964. Die prinzipientreue Schulleiterin Schwester Aloysius wacht mit Argusaugen über die ihr anvertrauten Jungen und führt das Internat mit eiserner Hand. Jede Spur von Menschlichkeit und modernen Erziehungsmethoden seitens der Lehrer versucht sie im Keime zu ersticken. Daher ist ihr der allseits beliebte und joviale Vater Flynn mit seinen fortschrittlichen Ansichten ein Dorn im Auge. Er leitet das Basketballteam der Schule und kümmert sich rührend um seine Schützlinge. Als die naive Schwester James ihr berichtet, wie intensiv sich Flynn um seinen Schüler Donald kümmert, der auch Messdiener ist, wird ihr Misstrauen geweckt: Ist Flynns Anteilnahme am Schicksal des Jungen wirklich rein beruflicher Natur, oder vergeht sich der Pater an dem Kind? Noch hat sie keine Beweise für ihren Verdacht, schenkt aber Flynns Unschuldsbeteuerungen keinen Glauben, sondern beginnt stattdessen, in der Vergangenheit des Priesters herumzuwühlen. Und tatsächlich scheint es dort einige dunkle Punkte zu geben, die Flynn wohlweislich verschwiegen hat...


7. Mai 2011 bis 31. Mai 2011

Leonce und Lena
Von Georg Büchner

Inszenierung: Norbert Klassen

  Lena: Sieh, ich wollte der Rasen wüchse so über mich,
und die Bienen summten über mir hin;
sieh, jetzt bin ich eingekleidet und habe Rosmarin im Haar.
Gibt es nicht ein Lied: Auf dem Kirchhof will ich liegen,
wie ein Kindlein in der Wiegen?


Prinz Leonce, Sohn des Königs Peter vom Reiche Popo, ist verzweifelt über die Eintönigkeit und Sinnlosigkeit seines Lebens. Er ist krank vor Langeweile und Müssiggang. Die ganze Trostlosigkeit und Einsamkeit, in der Leonce gefangen ist, zeigt sich in seiner Unfähigkeit zu lieben. Eine Lebensaufgabe kann er für sich nicht erkennen. Da begegnet ihm Valerio. Ein Narr? Ein Bettler? Ein Verrückter? Ein Betrüger? Ein Romantiker? Ein Obdachloser? Vielleicht ist Valerio nur ein lustiger Vagabund, der sich ausserhalb der Gesellschaft hält und sie zum Selbstzweck, zur Befriedigung der eigenen Bedürfnisse benutzt. Später wird ausgerechnet er Leonce zurück ins Leben holen. Denn als der König Leonce mitteilen lässt, dass er heiraten soll und seine Nachfolge antreten muss, bleibt nur die Flucht. Mit Valerio flieht er nach Italien - das Land seiner Träume. Auf der Reise sucht Leonce das Ideal einer Frau. Dabei treffen sie auf die ihnen unbekannte Prinzessin Lena, die mit ihrer Gouvernante ebenfalls vor der bevorstehenden Hochzeit geflohen ist...


8. Juni 2011 bis 1. Juli 2011

Intime Fremde
Von Patrice Leconte und Jérôme Tonnere

Inszenierung: Stefan Meier

  Anna: Er fasst mich nicht mehr an, und wir schlafen nicht mehr miteinander...
Mir fehlen die Küsse, das Streicheln, sein Körper an meinem.
Verstehen Sie?


Der eher biedere William Faber, von Beruf Steuerberater, ist kein Mensch, der zu heftigen Gefühlsäusserungen neigt. Mit solchen aber sieht er sich konfrontiert, als eine mysteriöse Frau in sein Leben tritt. Anna steht eines Tages unangemeldet in seinem Büro, setzt sich ihm gegenüber und beginnt, ihm von ihren Eheproblemen zu erzählen. William begreift rasch, dass es sich hier um einen Irrtum handeln muss und Anna eigentlich zu seinem Nachbarn, dem Psychoanalytiker Doktor Monnier, wollte. Doch er sieht sich ausserstande, sie zu unterbrechen, um den Irrtum aufzuklären. Im Gegenteil - sein Interesse ist geweckt. Ausserdem gehen ihm die Nöte Annas sehr zu Herzen. So lauscht er gebannt ihren intimen Geständnissen, die in Zusammenhang mit ihrer Ehekrise stehen. Trotz Gewissensbissen vereinbart er mit ihr einen nächsten Termin. Aber auch beim zweiten Treffen bringt er die Kraft nicht auf, Anna wegzuschicken. Im Laufe der Zeit stellt sich zwischen ihm und der jungen Frau ein seltsames Ritual ein, das von Termin zu Termin und mit jedem Geständnis ein engeres Band zwischen ihnen webt. William ist ständig auf’s Neue fasziniert, erfährt er doch durch diesen Irrtum Geheimnisse, die jede Frau sonst für sich behalten würde, und die ausser ihm auch niemand erfahren wird. Aber wer ist Anna wirklich? Und ist es tatsächlich so, dass sie sein Spiel nicht durchschaut?


Bereits gespielte Stücke Spielzeit 09/10:

1. bis 26. September 2009

Suske & Schönbeck "Im Herbst"
Von Felix Römer

Inszenierung: Stefan Suske

Uraufführung

  Max: Ende dreissig?
Robert: Und zum Friseur muss ich auch.
Max: Ende zwanzig?
Robert: Aber auf jeden Fall muss ich abspecken.
Max: Sag' jetzt nicht, dass sie zwanzig Jahre jünger ist.

Zwei Männer. Zwei Freunde. Glückssucher um die Fünfzig mit unterschiedlichen Lebensentwürfen. Max ist erfolgreicher Schriftsteller, der jedes Jahr mit einem neuen Roman aufwartet, Robert hingegen ein wenig erfolgreicher Schauspieler. Eigentlich wollten Robert und Max im Herbst ihres Lebens zusammen ziehen, eine WG gründen und sich langsam und heiter auf den Winter vorbereiten. Aber plötzlich steht der Frühling in Gestalt der um zwanzig Jahre jüngeren Kollegin Klara vor Roberts Tür. Hals über Kopf verliebt er sich und lernt durch sie die Gipfel des Glücks sowie die Höllenqualen der Liebe gleichermassen kennen. Als sie ihn verlässt, gerät Roberts Leben vollends aus der Bahn, während Max sich zunehmend für die Liebesleiden seines Freundes zu interessieren beginnt. Max selber hat längst mit dem Projekt Liebe abgeschlossen. Er möchte sich nicht mehr wie Robert zum Affen machen und darüber nachdenken, ob er Samstag Abends von einer Frau, die seine Tochter sein könnte, auf eine Reggae-Party mitgenommen werden will. Was Robert jedoch nicht weiss – im neuen Roman von Max ist er die Hauptfigur. Und wenn das Buch verfilmt wird, könnte Robert darin sogar sich selbst spielen. Er würde endlich berühmt und alle Frauen lägen ihm zu Füssen, oder?

6. bis 29. Oktober 2009

Sein oder Nichtsein
(To Be or Not To Be)
Von Nick Whitby

Nach dem gleichnamigen Film von Ernst Lubitsch

Inszenierung: Stefan Meier

Schweizer Erstaufführung

  Schulz: Er wird jetzt schon mit den Nerven fertig sein.
Ehrhardt: Nicht so hastig, Schulz. Lassen wir ihn ruhig in seinem Angstschweiss ein klein wenig baden.

Im August 1939 probt das „Teatre Polski“ in Warschau eine Satire auf Nazideutschland, doch die politische Lage ist für solch ein Stück bereits viel zu angespannt. In vorauseilendem Gehorsam wird die Aufführung von der polnischen Regierung mit dem Argument verboten, sie würde Hitler unnötig provozieren. Also gibt man allabendlich Shakespeares „Hamlet“. Star des Ensembles ist Joseph Tura. An seiner Seite steht als Bühnen- und Lebenspartnerin Maria Tura, die ihn jedoch mit dem Fliegerleutnant Sobinski betrügt. Der deutsche Überfall auf Polen im September 1939 bedeutet das endgültige Aus für die Theatergruppe. Der Nazi-Agent Siletzky, der in England wichtige Informationen über den polnischen Widerstand gesammelt hat, soll nun die Theaterleute aushorchen und die Informationen an den Gestapo-Chef Ehrhardt weitergeben. Doch die Theatergruppe hat sich einen cleveren Plan überlegt: Sobinski soll den Agenten töten. Zu diesem Zweck errichten die Schauspieler einen Nachbau des Gestapo-Hauptquartiers. Durch die verführerische Maria wird Siletzky schliesslich in die Falle gelockt. Joseph Tura spielt die Rolle des SS-Manns Ehrhardt... und versagt. Siletzky, der die Täuschung merkt und nun zu fliehen versucht, wird von Sobinski tatsächlich erschossen. Joseph Tura muss nun den toten Siletzky vor dem wahren Nazi Ehrhardt vertreten. Als er mit der Leiche Siletzkys konfrontiert wird, ist die Situation bereits ausweglos...

7. Nov. bis 6. Dezember 2009

Das Versprechen
Von Friedrich Dürrenmatt/Markus Keller

Co-Produktion mit dem Schauspielhaus Salzburg

Inszenierung: Markus Keller

Uraufführung

  Mädchen: Jede Woche hat der Riese aufs Gritli gewartet und ihm Igel gegeben.

Hauptkommissar Matthäi ist schon fast auf dem Weg nach Jordanien, wo er eine neue Stelle als Polizeiberater antreten will, als er sich ein letztes Mal auf die Ermittlung in einem Mordfall einlässt. Im Wald ist Gritli Moser, ein kleines Mädchen, getötet aufgefunden worden. Die Spuren deuten auf ein Sexualverbrechen hin. Der mutmassliche Täter legt nach einem 20 Stunden andauernden Verhör schnell ein Geständnis ab. Dann bringt er sich um. Damit könnte der Fall als abgeschlossen gelten. Hauptkommissar Matthäi aber lässt die Geschichte keine Ruhe. Der Mutter des ermordeten Mädchens gibt er das Versprechen, den wahren Täter zu finden und setzt alles daran, sein Wort zu halten. Seinem Chef eröffnet Matthäi, dass er sich von nun an als Privatmann auf die Lauer legen wird. Dafür kauft in der Nähe des Tatorts eine Tankstelle. Jetzt braucht er nur noch einen Köder. Den findet er in Frau Hellers Tochter Annemarie. Doch mit Annemarie verbindet Kommissar Matthäi nicht nur das Versprechen, den Fall zu lösen. Er liebt auch ihre Mutter. Alles läuft wie geplant: Unbemerkt für Matthäi lockt das kleine Mädchen den Täter gefährlich nahe zu sich heran. Doch nicht nur das bleibt ihm verborgen. Unmerklich hat sich die Grenze zwischen Gut und Böse verschoben. Längst ist nicht mehr bestimmbar, welche moralischen Kategorien Matthäis’ Handeln zu Grunde liegen.

15. Dez. 2009 bis 17. Januar 2010

Clochard
Von Simone Füredi

Inszenierung: Livia Anne Richard

Uraufführung

  Antoine: Hätten wir Ihnen beim Ertrinken zuschauen sollen? Damit hätte ich mich strafbar gemacht.
Bastien: Ich hatte mich bewusst für den Freitod entschieden.

Antoine und Catherine Clémente führen eine Galerie für Moderne Kunst in einem südfranzösischen Dorf. Das Eheleben des Paares ist erkaltet, und so erhofft sich Antoine von seiner hübschen Assistentin Lucie ein wenig Abwechslung in seinem grauen Ehealltag. Da die grosse Ausstellung mit dem bekannten griechischen Künstler Alexandros Persakis bevorsteht, nutzt Antoine die Gelegenheit und lädt Lucie zu einem vermeintlichen Geschäftsessen ein. Nachdem die Beiden im „Le Phare Rouge“ am Hafen zu Abend gegessen haben, versucht Antoine, Lucie am Leuchtturm zu verführen. Doch ihr romantisches Schäferstündchen, das Antoine so gezielt geplant hatte, wird durch einen unerwarteten Zwischenfall jäh unterbrochen. Sie retten den Clochard Bastien vor dem Ertrinken im Meer und bringen ihn erst einmal zum Aufpäppeln in die Galerie. Obwohl er ein obdachloser Penner ist, versteht es Bastien auf raffinierte Art, sich schnell im Leben der Clémentes einzunisten. Antoines Versuche, ihn wieder loszuwerden, scheitern bald und wider Erwartens entwickelt Bastien ganz ungeahnte Qualitäten, die das wohlgeordnete Leben der Clémentes sowie Lucies und Catherines Gefühle komplett aus den Fugen geraten lassen...

26. Jan. bis 20. Februar 2010

Ehrensache
Von Lutz Hübner

Inszenierung: Stefan Meier

Schweizer Erstaufführung

  Cem: Wenn ich verrückt bin, gibt es keinen Prozess, oder?
Kobert: Hast Du Angst vor dem Prozess?
Cem: Ich war es, basta, ab in die Klapse, Ruhe im Karton.

Zwei Jungen lernen zwei Mädchen kennen, und da es Wochenende ist, verabreden sich die Vier zu einem Ausflug nach Köln. Dort will sich die Gruppe einen schönen Tag machen, um den Alltagstrott abzustreifen und endlich mal wieder etwas zu erleben. Doch der Tag endet mit einem unvorstellbaren Drama: Eines der Mädchen wird tot auf einem Rastplatz aufgefunden. Mit mehr als dreißig Messerstichen hat man sie regelrecht hingerichtet, und ihre zwei Jahre jüngere Freundin überlebt nur, weil die Täter das schwer verletzte Mädchen bereits für tot gehalten haben. Zwar sind die beiden Täter schnell gefasst, aber was genau an jenem Tag passiert ist, bleibt unklar: Je nach Perspektive gibt es ganz unterschiedliche Versionen oder Vorstellungen davon, was zu einem solchen Gewaltexzess geführt haben kann. Fragen drängen sich auf: Woher kommt die Brutalität, mit der die beiden türkischstämmigen Jungen, die als freundlich und angepasst galten, zugestochen haben? Welche Rolle spielen Frauen- und Männerbilder in dieser Geschichte? Oder geht es um gekränkte Ehre und Männerfreundschaft?

2. bis 27. März 2010

Benfiz -Jeder rettet einen Afrikaner
Von Ingrid Lausund

Inszenierung: Alexander Kratzer

Schweizer Erstaufführung

  Eckhard: Scheiße, kotzen, ficken, Fotze! Alles darf man sagen! Vulgär, obszön, geht alles! Aber wehe, man sagt Güte, Nächstenliebe, Mitgefühl, das geht gar nicht!


«Bandscheibenvorfall« war Ingrid Lausunds bitterböse Satire über die Arbeitswelt; diesmal nimmt sie das Gutmenschentum aufs Korn: Fünf hochengagierte Zeitgenossen proben eine Wohltätigkeitsveranstaltung für den Bau einer Schule in Afrika. Wie aber weckt man Spendenbereitschaft? Darf man unterhaltsam über Not und Elend sprechen? Oder sollte man noch einen echten Afrikaner auf die Bühne stellen, damit »die Botschaft« authentischer rüberkommt? Reden werden geprobt, Wirkungen analysiert, ein Diavortrag vorbereitet.
Natürlich stellt sich auch hier die Konkurrenzfrage: Wer steht gerade im Rampenlicht, und wer bekommt warum welche Rede- und Spielanteile? Und wo bleibt bei allem Engagement die Kunst? Mitunter kommt echte Betroffenheit auf, aber die fünf Benefiz-Akteure versuchen krampfhaft locker zu bleiben, schliesslich soll alles professionell ablaufen. Und so verheddern sie sich heillos in Pauschalisierungen, Vorurteilen und anscheinend unvermeidlichen politisch korrekten Vermeidungsstrategien ...

6. bis 29. April 2010

Effi Briest
Von Theodor Fontane
Bühnenfassung Markus Keller

Inszenierung: Markus Keller

  Crampas: Wenn das so weitergeht, so schneien wir hier ein.
Effi: Das wäre nicht das Schlimmste. Mit dem Eingeschneitwerden verbinde ich von langer Zeit her eine freundliche Vorstellung von Schutz und Beistand.

Die siebzehnjährige Effi heiratet auf Wunsch ihrer Eltern den zwanzig Jahre älteren Landrat Baron von Innstetten, einen Mann mit vielversprechenden beruflichen Aussichten, und folgt ihm in sein Haus nach Hinterpommern. Effi fühlt sich in dem kleinen Ostsee-Badeort einsam und ist unglücklich, weil sie ihr ehrgeiziger, prinzipientreuer Mann nicht wirklich liebt. Doch gesteht sie sich ihr Unglücklichsein nicht ein. Auch die Geburt der gemeinsamen Tochter Anni hilft ihr nicht, sich aus der inneren Vereinsamung zu befreien. Unerwartete Abwechslung bringt ihr die Bekanntschaft mit dem Bezirkskommandanten Crampas. Zwischen Effi und Crampas beginnt ein leidenschaftliches und doch oberflächliches Verhältnis, das Effi irritiert und verwirrt. Daher ist die Versetzung Innstettens nach Berlin für sie willkommener Anlass, die heimliche Beziehung zu Crampas zu beenden, und das Ehepaar verlebt in Berlin eine schöne Zeit. Zufällig entdeckt Innstetten Jahre später die Briefe von Crampas an Effi und fordert ihn daraufhin zum Duell, in dem er Crampas erschießt. Anschliessend verstösst er Effi, aber behält Anni bei sich. Erst als Effi durch die nervliche Belastung sterbenskrank wird, darf sie zum elterlichen Gut zurückkehren. Doch Effi kann sich nicht mehr von dem seelischen Schmerz erholen...

8. bis 31. Mai 2010

Am Ziel
Von Thomas Bernhard

Inszenierung: Marion Rothhaar

  Mutter: Es ist zuwenig mein Herr zuzuschauen und abzuwarten das tun sie alle alle schauen zu und warten ab sie beobachten die Fäulnis und verfaulen mit

Mutter und Tochter haben seit 33 Jahren dasselbe Ziel: die Villa am Meer im holländischen Katwijk. Während die Tochter die Koffer packt, dreht sich die Mutter, reiche Witwe eines Gusswerkbesitzers, mit ihren Monologen in den ewig gleichen Erinnerungsspiralen um die Familiengeschichte. Aus ärmlichen Verhältnissen kommend, hat sie Ihren Mann nur wegen seines Reichtums geheiratet. Da sie sich ihrem vermögenden Gatten zeitlebens geistig weit überlegen fühlte, hat sie keine Gelegenheit ausgelassen, ihn immerwährend zu demütigen. Auch die Beziehung zu ihrer Tochter ist eine Machtbeziehung, geprägt von mütterlicher Hassliebe und Quälritualen. Als ein junger Schriftsteller, der eigentlich für Ablenkung und Unterhaltung der beiden Frauen sorgen sollte, als Gast in die Villa am Meer kommt, gerät die bereits gestörte Mutter-Tochter-Beziehung endgültig ins Wanken. Mutter und Tochter werden zu Rivalinnen um die Sympathie des Mannes...

8. Juni bis 1. Juli 2010

Die Perser
Von Aischylos
Fassung von Norbert Klassen/Peter Jecklin

Inszenierung: Peter Jecklin

  Bote: Zugrunde jämmmerlich ging die Kriegsmacht ganz. Ich allein, Unverhofft, muss den Tag der Heimkehr erleben.
Chor: Ach, Leben. Zu lang erscheint es uns Alten nun. Die wir in hohem Alter noch hören müssen von so viel Leid.

Das Heer des Perserkönigs Dareios wurde im Jahre 490 v. Chr. von den Athenern in der Schlacht bei Marathon besiegt. Zehn Jahre später zieht sein Sohn Xerxes mit einer gewaltigen Flotte von über tausend Schiffen gegen die Griechen, um die Schmach der Niederlage zu rächen. Nur Frauen, Kinder und Greise sind zu Hause geblieben. Von bösen Träumen und Vorahnungen gequält, wartet die persische Königsmutter Atossa auf Nachricht aus dem Kriegsgebiet vor Salamis. Ein Bote, der dem Schlachtfeld entkommen konnte, berichtet ihr von den unmenschlichen Gräueln des Krieges. Die persische Flotte wurde in einen Hinterhalt gelockt und von den zahlenmässig weit unterlegenen Griechen vernichtend geschlagen. Nur der junge König Xerxes ist mit einer kleinen Truppe entkommen und auf dem Rückzug. Die zu Hause gebliebenen Greise beschwören mit Klagegesängen den Geist ihres verstorbenen Feldherrn Dareios, der in der Niederlage seines Sohnes die göttliche Bestrafung der Hybris des jungen Herrschers sieht. Xerxes kehrt schwer gezeichnet aus der Schlacht zurück, die meisten Männer sind verloren, das Volk der Perser ist vernichtet.

   
 
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