Die Panne

20. Februar - 21. März 2016

von Friedrich Dürrenmatt

Weil sein Auto in ländlicher Gegend eine Panne hat, ist Alfredo Traps, Textilunternehmer für Kunstfasern,
auf der Suche nach einem Hotelzimmer. Doch aufgrund der Tagung des Kleinviehzüchterverbands sind alle Betten im Dorf belegt. Als Notlösung für eine Unterkunft wird Traps eine seltsame Villa empfohlen, die einem pensionierten Richter gehört.
Dort trifft sich allabendlich eine gesellige Runde älterer Herren.
Für die Übernachtung möchte der Gastgeber Abraham Wucht keinerlei Geld, erwartet von Traps jedoch die Teilnahme an einem Abendessen mit seinen Freunden. Die wunderlichen alten Herren haben es sich zur unterhaltsamen Gewohnheit gemacht, bei jedem Dinner ihre ehemaligen Berufe nachzuspielen: der Gastgeber den Richter, Isaak Zorn den Staatsanwalt und Jakob Kummer den Advokaten.
Roland Pilet war bis zur Abschaffung der Todesstrafe als Henker tätig.
Traps, der dieses Gesellschaftsspiel als skurrile Abendunterhaltung auffasst, stimmt als Dank für die Übernachtung freiwillig seiner Rolle als Angeklagter zu. Erfreut über seine spontane Teilnahme wird ihm durch «das Gericht» versichert, dass sich eine Schuld in jedem Fall finden lassen werde. Bald bekommt Traps zu spüren, dass dieses Gericht mehr ist als ein possenhaftes Spiel bei "kleinen Häppchen" und Wein. Im Laufe des Abends sitzt seine Vergangenheit und mit ihr seine gesamte Existenz auf der Anklagebank. Vergeblich ermahnt ihn sein Verteidiger Kummer zur Zurückhaltung. Immer tiefer gerät Traps in tragische Verstrickungen,in denen er plötzlich eine Art höheren Sinn für sein banales Dasein zu entdecken glaubt. Und so zieht sich die Schlinge um Traps’ Hals mehr und mehr zu…

Friedrich Dürrenmatt wurde am 5. Januar 1921 in Konolfingen geboren und war Schriftsteller, Dramatiker sowie Maler.
Die Erzählung – geschrieben 1955 – wurde noch vor der Buchveröffentlichung als Hörspiel am 17. Januar 1956 von Gustav Burmester im NDR Hamburg erstgesendet, 1957 von Fritz Umgelter sowie 1972 von Ettore Scola unter dem Titel «Die schönste Soirée meines Lebens» verfilmt und schliesslich am 13. September 1979 in Wilhelmsbad (Hanau) unter der Regie des Autors als Theaterstück uraufgeführt. Dürrenmatt starb am 14. Dezember 1990 in seinem Haus in Neuchâtel.

DAS Theater an der Effingerstrasse hatte das Stück in der Spielzeit 2000/01 erstmalig auf dem Spielplan. Wegen des grossen Erfolgs gab es in der darauffolgenden Saison eine Wiederaufnahme.
 

Inszenierung:

Markus Keller

Besetzung:

Alfredo Traps:
Michael von Burg
Richter Wucht:
Gilles Tschudi
Staatsanwalt Zorn:
Horst Krebs
Rechtsanwalt Kummer:
Christoph Künzler
Henker Pilet:
Hans-Joachim Frick
Justine:
Alexa Brunner
Polizist:
Roger Bonjour

 

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Echos

Berner Zeitung
Regine Gerber, 22.2.2016

"Das Theater an der Effingerstrasse zeigt «Die Panne» von Friedrich Dürrenmatt. Die Inszenierung überzeugt mit feinen Skurrilitäten und bissigem Humor."

Der Bund
Lena Rittmeyer, 22.2.2016

"Schön beklemmend ist die verschwörerische Freundlichkeit, mit der Traps Gastgeber, die Ruheständler Richter Wucht (Gilles Tschudi), Staatsanwalt Zorn (Horst Krebs), Rechtsanwalt Kummer (Christoph Künzler) und Henker Pilet (Hans-Joachim Frick), ihren Besuch empfangen. Sie bitten Traps darum, mit ihnen «Gericht zu spielen»: Er soll den Angeklagten geben, während sie ihrer früheren Ämter walten. Denn ein Verbrechen, so verkündet es das weinselige Altherrengrüppchen in den schlecht sitzenden Anzügen (Kostüme: Sybille Welti), ein Verbrechen lässt sich immer finden.
So auch bei Traps, der erst seine Unschuld beteuert, sich aber im Laufe des Verhörs, das mehr einem Gelage gleicht, seines Vergehens bewusst wird. Man kauft Schauspieler Michael von Burg ebenso den rechtschaffenen Zeitgenossen wie den rachsüchtigen Betrogenen ab, und so ist am Ende auch höchst unklar, welche Waagschale in den Händen der Witwe Justine von Fuhr (Alexa Brunner) nun schwerer wiegt und ob das Richtschwert zum Einsatz kommen soll."

Seniorweb
Fritz Vollenweider, 22.2.2016

"Ein hervorragendes Ensemble. Das Altmännerquartett klingt wie eine Art von komödiantischer Schauspielmusik, rhythmisch gegliedert und voller Akkorde und Seitenthemen, abwechselnd mit den Zelebrationen der erlesenen Weine an der Tafel. Volles Gelächter, klammheimliche Freude und überbordende Begeisterung für die Patzer und Verstrickungen des so naiven, gernegrossen Mitspielers, welche sich zunehmend zu Gunsten ihrer heimlichen Absichten auswirken.
Michael von Burg ist die Idealbesetzung für den selbstgefälligen, jovialen, etwas unreifen, aber mit allen Wassern gewaschenen Geschäftsmann und Karriereplayer."

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