15. Januar - 14. Februar 2013
von Terry Johnson
nach dem gleichnamigen Roman von Charles Richard Webb
Nach seinem College-Examen geben die gut betuchten Eltern von Benjamin Braddock, genannt Ben, eine glanzvolle Party, zu der auch die befreundeten Robinsons eingeladen sind. Obwohl Ben immer ein sehr erfolgreicher Student war, weiss er mit seinem Leben und seiner neuen Freiheit nichts anzufangen. Die oberflächlichen, Karriere besessenen Bekannten seiner Eltern meidet er und zieht sich auf sein Zimmer zurück. Dort versucht Mrs. Robinson den schüchternen Ben zu verführen – unglücklicherweise kommt ihr Ehemann dazwischen. Doch Mrs. Robinson gibt nicht so leicht auf, und Ben kann der Verlockung nicht lange widerstehen. Die beiden treffen sich regelmässig in einem Hotel. Eines Tages geht Ben auf Bitten seiner Eltern mit Elaine aus, der hübschen Tochter von Mrs. Robinson – ein Abend mit Folgen: Elaine und Ben verlieben sich ineinander. Das aber macht Mrs. Robinson zu einer eifersüchtigen Furie. Mit allen Mitteln versucht sie, zusammen mit ihrem ahnungslosen Mann, die Liebe zwischen Ben und Elaine auseinander zu bringen. Und es scheint zu gelingen, denn Elaine ist schliesslich bereit, den Sportler Carl Smith zu heiraten. Aber Ben macht ausfindig, wo die Hochzeit stattfindet. Er kommt dort gerade an, als die Trauungszeremonie beginnt – für ihn der richtige Zeitpunkt, ein gepflegtes Chaos einzuleiten…
Inszenierung: Stefan Meier
Besetzung:
Benjamin Braddock: Nick-Robin Dietrich
Mr. Braddock: Helge Herwerth
Mrs. Braddock: Simone Haering
Mrs. Robinson: Elke Hartmann
Mr. Robinson: Peter Bamler
Elaine Robinson: Clarissa Herrmann
Bühnenbild: Peter Aeschbacher
Kostüme: Sybille Welti
Schweizer Erstaufführung
Echos
Nick-Robin Dietrich, auf der Effingerbühne kein Unbekannter, entwickelt in der Rolle des verführten Ben eine packende Charakterstudie. Wie er juvenile Unerfahrenheit und intelligentes Gefühl von Eigenverantwortung differenziert ausdrückt, wie er nachpubertäre Trieb- und Erotikbedürfnisse mit klarem Einstand für das Echte, die aufkeimende und sich festigende Liebe, glaubwürdig darstellt, weckt Bewunderung.
Seniorweb.ch, 16. Januar 2013
Voll störrischem Missmut spielt der junge Schauspieler Nick-Robin Dietrich diesen Ben, harrt halb verzweifelt, halb bockig in der existentiellen Leere aus. Diese hartnäckige, schmerzvolle Verweigerung, die Dietrich über 90 Minuten lang fein nuanciert, prägt die ganze Inszenierung. Glaubwürdig kontrastiert sie im zweiten Teil mit der Verletzlichkeit und Treuherzigkeit von Elaine (Clarissa Herrmann), Mrs. Robinsons naiver, lieblicher Tochter, die bei Ben allem Widerstand zum Trotz ungeahnte Gefühle auslöst... Rar sind die komischen Momente, beklemmend ist das Happy End. Auch Glück kann Angst machen - für Ben eine ganz neue Erkenntnis.
Der Bund, 17. Januar 2013
Regisseur Stefan Meier gelingt eine witzige und temporeiche Inszenierung. Die kleine Bühne wird optimal genutzt, so dass sich viele filmische Momente ergeben. Mal taucht Mrs. Robinson (Elke Hartmann) eifersüchtig auf einem Sofa thronend aus der Versenkung auf, mal taucht Braddock (Nick-Robin Dietrich) im elterlichen Pool ab, der ganz ohne Wasser auskommt. Hinter einem milichigen Vorhang erscheinen Figuren, um gleich wieder zu verschwinden, so dass man manchmal nicht mehr sicher ist, ob der herrlich zerknirschte Braddock träumt oder wacht.
Berner Zeitung, 17. Januar 2013