7. - 30. November 2012
von Lot Vekemans
unter dem Patronat des Berner Theatervereins
Eine Frau, ein Mann. Vor zwanzig Jahren haben sie sich kennengelernt, nach neun Jahren Partnerschaft die Scheidung. Er wohnt inzwischen in Frankreich. Sie ist im gemeinsamen Haus geblieben. Da zwingt sie das Schicksal, sich noch einmal zu treffen: Das Grab ihres gemeinsamen Sohnes Jakob, der bei einem Autounfall getötet wurde,muss umgebettet werden, weil der Boden des Friedhofs mit Gift verseucht sein soll. Während die Eltern in der Friedhofshalle auf einen Mitarbeiter der Verwaltung warten, tasten sie sich in kleinen Schritten an die Vergangenheit heran. Doch nach den ersten Gesprächsfloskeln reissen die alten Wunden wieder auf, denn der Tod des Sohnes ist längst nicht verarbeitet, Erinnerungen an ihn und an das gemeinsame Leben kommen hoch. Die Fragen von einst sind die Fragen von heute geblieben. Das Gespräch der Eltern bewegt sich zwischen Resignation, Wut und Neuanfang. Im Gegensatz zu ihm, dem es gelungen ist, seinen Frieden zu schliessen und weiter zu leben, durchleidet sie den Schmerz und die Verzweiflung tagtäglich aufs Neue. Doch um weiterleben zu können, ist es notwendig, endlich einen Schlussstrich zu ziehen…
Inszenierung: Markus Keller
Besetzung:
Frau: Sabine Lorenz
Mann: Gilles Tschudi
Bühnenbild: Peter Aeschbacher
Kostüme: Sybille Welti
Schweizer Erstaufführung
Echos
Vor allem im ersten Teil sind die Dialoge lapidar und beschränken sich auf kurze, knappe Floskeln. Was zur Folge hat, dass sich die Begegnung der beiden auf eine schauspielerisch brillant umgesetzte Weise weit weniger in den Dialogen als in den Gesten, den Mienen, der Körperhaltung, der Beschäftigung mit den sparsamen Requisiten spiegelt.
Der Bund, 9. November 2012
Markus Keller lässt den beiden Kammerspiel-Solisten Zeit für Körpersprache und Mimik. Das wirkt so wohltuend wie intensiv in dieser an sich bedrängenden Erfahrung von Zwiespalt und Unausgesprochenem zwischen Mann und Frau, Mutter und Vater, die ihr Kind verloren haben. Wer das schon erlebt hat, mit allen Folgen, spürt die zurückgehaltene Verzweiflung und die seinerzeit nicht erlaubte Trauer.
Seniorweb.ch, 9. November 2012
Sabine Lorenz und Gilles Tschudi zeigen gekonnt die vielschichtigen Gefühlslagen der Protagonisten: Der Vater verharrt in Sprachlosigkeit, während die Mutter die letzten neun Minuten vor dem Tod ihres Sohnes durch den Schleier der Erinnerung beschreibt.
Berner Zeitung, 10. November 2012