Stück

Firlinger

1. - 28. September 2012

von Norbert Silberbauer

Der ehrenamtliche Messner Firlinger ist verunglückt. An einem Sonntag. Ein herabstürzender Engel hat ihn in der Kirche erschlagen. Sein Lebtag lang hat Firlinger streng nach den Zehn Geboten gelebt und die Zwölf Apostel namentlich wiedergeben können. Zum Sündigen blieb bei so viel religiösem Engagement keine Zeit.
Jetzt ist Firlinger tot und wartet auf seine Auferstehung, seine Himmelfahrt, seinen Engel, der ihn an der Hand zum Erlöser führen wird. Doch aus der Sicherheit werden Zweifel und Verzweiflung, schliesslich endet sein Warten in Resignation. Er denkt zurück, spult seinen Lebensfilm ab, kommentiert dessen trostlose Stationen und betet. In seiner Bilanz tauchen seine Sünden auf, seine Vergehen, Wut auf die Menschen, die ihn allein gelassen haben, Verbitterung und Hass. Ohne Frau ist er geblieben, ohne Liebe. Schliesslich fordert er Gott heraus, aber Gott reagiert nicht. Er lässt ihn warten…

Inszenierung: Stefan Suske

Besetzung:
Firlinger: Uwe Schönbeck

Bühnenbild: Peter Aeschbacher
Kostüme: Sybille Welti

Schweizer Erstaufführung

 

 

Echos

Uwe Schönbeck, man erwartet es und wird nicht enttäuscht, zieht alle Register seines Könnens und seiner Erfahrung als Darsteller. Sogar seiner Stimme und dem, was er spricht, verleiht er nonverbal Ausdruck. Wandelbar ist seine Mimik, geschickt schafft er Sprechpausen und bereitet nachfolgende Äusserungen vor mit breiten mimischen und verhaltenen, gestischen Mitteln. Die ungefähr siebzig Minuten Spieldauer verfliegen in nicht abreissender Spannung.
Seniorweb.ch, 2. September 2012

In ein staubiges Archiv (Bühne Peter Aeschbacher) sperrt Regisseur Stefan Suske, der über ein sicheres Gespür für die Ausgestaltung der toten Winkel seiner österreichischen Heimat verfügt, den Firlinger ein. Da ist die Zeit schon lange tot geschlagen worden, und was hier aufbewahrt wird, ist so nichtig wie die Versprechungen der katholischen Kirche. Dort dreht Schönbeck siebzig Minuten lang seine beklemmend komischen Runden, verheddert sich in den Schlingen der Bigotterie einer jämmerlichen Existenz, läuft auf an einem Gott, der taub für das immer gehässigere Blöken des gottverlassenen Lamms ist, und schleckt gar einen kühnen Moment lang an der Frucht der Erkenntnis.
Der Bund, 3. September 2012

Mit wundervoller Ironie und der einfachen, präzisen Sprache der Vorlage demaskiert Schönbeck in gut achtzig Minuten den anfangs so gottesfürchtig auftretenden Firlinger. So schnell und glaubwürdig wechselt er Stimmlage und Stimmung, tänzelt im einen Moment über die Bretter, zuckt im anderen vor einem "Halleluja"-Gewitter zusammen, dass einen das überraschende Ende fast überrollt.
Berner Zeitung, 4. September 2012

 
FirlingerFirlingerFirlingerFirlingerFirlinger 
© 2013 Das Theater an der Effingerstrasse, Created by Pixelzauber GmbH